10.01.2006

Kraftvoll und melancholisch
Ray Wilson und Band gaben Konzert in der Kulturscheune

ANDREA KEIL

THYROW Für eine ausverkaufte Kulturscheune sorgte am Dienstagabend Ray Wilson in Thyrow. Der charismatische Sänger der britischen Grunge-Band Stiltskin und Ex-Genesis-Mitglied faszinierte sein Publikum mit melancholischer Stimme und leidenschaftlichen Songs zwischen Rock und Folk.

Kraftvolle Keyboard-Akkorde, hymnische Melodien und eine sonore Rockstimme sind es, die Ray Wilson und seine erstklassig besetzte Musikerriege, darunter sein Bruder Steve an den Gitarren und Irvin Duguid am Keyboard, zu einer echten Größe im Who is Who des Musik-Business machen. Dabei wird der aus Edinburgh stammende Schotte wohl nie so richtig den Schatten der Rock-Lichtgestalten Genesis abstreifen können. Die Erfolgsband um den Superstar Phil Collins veröffentlichte mit Ray Wilson im Frühjahr 1997 das Album "Calling all Stations", das mit "Congo", "Shipwrecked" und "Not about us" gleich drei Hitsingles lieferte. Nach einer Welttournee und dem abschließenden Auftritt beim Rock-im-Park-Openair in Nürnberg fiel jedoch bereits der letzte Vorhang für die Multiplatin-Gruppe, die damit einen Ray Wilson hinterließ, der gerade erst dabei war, sich an die auswuchernden Dimensionen in der Rockstar-Stratosphäre zu gewöhnen - eine Erfahrung, über die Wilson seinem Publikum in der Kulturscheune in dem autobiografisch eingefärbten Song "The Actor" erzählte: "I felt like an actor who has lost his audience". Der Musiker, der neben seinem kurzen Intermezzo bei Genesis auch mit dem Stiltskin-Chartbreaker "Inside" Berühmtheit erlangte, hat jedoch inzwischen eine gefällige Nische zwischen dem Neuen, dem Eigenen und jenen Stücken gefunden, die einfach jeder kennt: ein virtuoser Balanceakt mit Balladen voller Intensität, tiefem Gefühl und metaphernreichen Textzeilen. Mit seiner überzeugenden Performance, aber auch seinem verschmitztem Lächeln spannte er, smart, witzig und ohne Allüren, ein unsichtbares Band zwischen sich und dem Publikum. Dieses zollte ihm dafür langanhaltenden Applaus.

Stephan Thude, Vorsitzender des Fördervereins Freundeskreis des Gemeindezentrums Thyrow, freute sich über die große Schar begeisterter Fans, die fast die Kapazitäten der Kulturscheune sprengten. Gut ein Jahr lag das Projekt "Rock in Thyrow" brach; aber jetzt, nach dem erfolgreichen Test, soll es definitiv weitergeführt werden: "Rockstars wie Ben Waters und Tony Carry sind bereits gebucht", so Thude, "mal sehen, wen wir dieses Jahr sonst noch nach Thyrow locken können."



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